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Französische Revolution

(von Frau Emilie Stors)

Fremersdorf war durch seine Lage an der Saar, durch seine Herrschaft und den Saarübergang vom 17. Jahrhundert bis hin zur Französischen Revolution 1789 in besonderer Weise in die schichtlichen Ereignisse dieser Zeit eingebunden:

1661:

Im Frieden von Vincenne mußte Herzog Karl VI.von Lothringen u.a. Sierck mit 30 Ortschaften, darunter Fremersdorf, Montclair und Siersdorf an Frankreich abtreten.

1723/24:

Fremersdorf wurde französische Zollstation.

1766

Mit der Teilung der Gemeinherrschaft Merzig -Saargau erhielt Frankreich die Orte links der Saar, diejenigen rechts der Saar fielen an das Erzstift/Kurfürstentum Trier.

Die Saar bildete nun von Fickingen/Saarfels die Landes- und Zollgrenze zwischen Frankreich und dem Kurfürstentum Trier.

1789:

Beginn der Französischen Revolution.

Fremersdorf war 1661 französisch geworden, "Fremestroff france". Mit Fremersdorf und Montclair hatte Frankreich an der Saar Fuß gefaßt, ein kleiner Schritt auf dem Wege zur Eroberung der Rheingrenze. Fremersdorf war eine französische Enklave, die Umgebung des Dorfes war lothringisch, die rechts der Saar, trierisch-lothringisch. 1723/24 war in Fremersdorf eine französische Zollstation, "Bureau de douance", eingerichtet worden. Sie befand sich im südlichen Wirtschaftsteil des Schlosses.




Gebäude der Zollstation, "Maison de passage."

Das "Maison de passage" war hier für den Zolldienst: Kontrolle des Fluß- und Straßen günstig gelegen. Die Zöllner kontrollierten den Schiffsverkehr auf der Saar und den Personen- und Wagenverkehr auf der Straße. Sie erhoben die Zölle. Vermutlich war auch hier im "Maison de passage" das Salz- und Tabaksbüro untergebracht. Die Angestellten des Salz- und Tabaksbür der "Ferme", waren für den Salz und Tabaksverkauf und für die Bekämpfung des Salz- und Tabaksschmuggel zuständig. Schon zur lothringischen Zeit war das Salz, das nach Vorschrift der Herzöge aus den lothringischen Salzbergwerken Dieuze und Marsal kam, mit einer neuen Steuer, "la Gabelle" belegt und darum sehr teuer. Die Steuer betrug je Pfund 6 sols 33 deniers, 30 Pfennig. Für die Bewohner der damaligen Zeit war das entsprechend ihrem Verdienst sehr teuer. Dabei wurde noch zu dem hohen Preis das schlechte Salz verkauft, während das gute ins Ausland geliefert wurde. Auch in der folgenden französischen Zeit waren Salz und Tabak mit hohen Steuern belegt. Der Einzug dieser Steuern unterstand der "Ferme generale". Zu ihr gehörten alle Steuerpächter, die für eine bestimmte Summe die Einziehung der Steuern gepachtet hatten. Die "Ferme generale" hatte ihre Büros mit ihren Beamten und Angestellten im ganzen Land. Hier in Fremersdorf unterhielt sie ein Tabak- und Salzbüro. In verschiedenen Orten schrieb die Ferme die Salz- und Tabaksmenge vor, in anderen Orten verkaufte sie sie nur. Ein Pfund Tabak kostete 3 Livres 32 sols. Salz und Tabak reichten oft nicht aus. Zahlreiche Dorfbewohner konnten Salz und Tabak wegen des hohen Preises überhaupt nicht kaufen. In den 1789 von der französischen Bevölkerung, auch der im hiesigen Raume, aufgestellten Beschwerdeschriften wurde vor allem die Gabelle und die der Ferme gefordert. In diesen Schriften werden verschiedene Übergriffe der Zöllner und Angestellten der Ferme aufgezeigt. Jenseits der Saar in Kurtrier war das Salz billiger und besser. Manche Bewohner der Dörfer versuchten, Salz und Tabak zu schmuggeln. Die beiden Furten bei Fremersdorf: am Lohrwald und in Nähe des Hofgutes Niederau waren den Leuten auf ihrem Weg sehr gelegen. Auf jedem Schmuggelgang begaben sich die Leute in große Gefahr. Überall lauerten die Angestellten und Garden der Ferme. Die Garden, im Volksmund "Schnüffler und Blutsauger" genannt, kontrollierten die Straßen und Wälder. Dazu führten sie auch Hausdurchsuchungen durch, wobei sie zu früher Stunde auftauchten, das Haus von oben bis unten durchsuchten, die Möbel umeinander warfen und Kästen und Schränke ausräumten. Die Schmuggelware "Contrebande" wurde beschlagnahmt. Der Schmuggler erhielt eine hohe Geldstrafe, die er oft nicht bezahlen konnte und so ins Gefängnis mußte. Die höchste Strafe, die einen Schmuggler treffen konnte, war die Galeerenstrafe.

Durch das Schloß und seine Herrschaft wurde Fremersdorf mehr als andere Orte von den Revolutionsereignissen berührt. Bis zum Jahre 1792 war es hier verhältnismäßig ruhig geblieben, denn Fremersdorf lag an der äußersten Grenze Frankreichs, die hier durch die Saar gebildet wurde. Aber dann änderte sich die Lage, immer häufiger passierten Militärzüge die hiesige Gegend. Bernonville überquerte die zugefrorene Saar während seines Feldzuges gegen das Kurfürstentum Trier und übernachtete im Schloß, die Truppe im Dorf. Im September 1792 fingen die Überfälle auf das feindliche Umland an. Sie wurden von Nationalgardisten aus Saarlouis, "Sansculotten und Patrioten genannt. Am 8. September setzten nachts 8O Mann über die Fremersdorfer Fähre und zogen nach Merzig. Dort drangen sie in die Häuser wohlhabender Bürger ein und plünderten sie aus. Am 29.9. war wiederum ein Überfall auf Merzig. Dieses Mal kamen 5ooo Mann aus Saarlouis, die bei Fremersdorf über die Saar gingen. In diesem Falle wurde wahrscheinlich die Furt beim Hofgut Niederau benutzt. Am 11.10. war Merzig wiederum das Ziel plündernder Patrioten. Dieses Mal wurde die Propstei der Wadgassener Mönche geplündert.

Ordnung und Sicherheit hatte im Lande aufgehört. Dazu kamen noch die Belastungen durch durchziehende und stationierte Truppen, Requisitionen und Geldzahlungen.

Die hiesige Grenze wurde von Zöllnern bewacht, die aber ihrer Aufgabe nicht voll gerecht werden konnten. Zahlreiche Emigranten aus Frankreich, Adlige und Geistliche konnten ohne Kontrolle mit ihren Gütern über die Grenze gelangen. An einer Stelle war vermerkt worden, daß an der Passage bei Fremersdorf ständig über die Grenze geschafft wurden. Madame de Galhau ließ die Flüchtlinge mit dem Nachen über die Saar bringen. Auf Ersuchen der Distriktsregierung in Saarlouis übernahm dann die Moselarmee unter Lafayette die Überwachung der Grenze. Der Wachdienst in Fremersdorf wurde von Husaren geleistet.

Barbe de Galhau née SchmittIm März 1793 wurden die Truppen zum größten Teil von der Grenze abgezogen. Nationalgardisten übernahmen die Überwachung der Grenze 5 bis 8 Nationalgardisten kamen auf einen Posten, in den Dörfern nahe Merzigs 10 bis 72. Tag und Nacht führten sie ständig Patroulliengänge zur Überwachung der Grenze und Saarübergänge durch.

1794 standen sich französische und österreichische Truppen im Saartal gegenüber. Die Franzosen lagerten hier im Dorfe, die Österreicher auf der rechten Saarseite hinter der ehemaligen Saarmühle. Es kam immer wieder zu Scharmützeln zwischen den Gegenern.

Durch die Distriktsverwaltung in Saarlouis, besonders durch den von ihr gebildeten Überwachungsausschuß, wurden die adligen Familien der Umgebung verfolgt. Vor ihren Repressalien, u.a. Hausdurchsuchungen und Requirierungen waren die Familien zu keiner Zeit mehr sicher. Auch Familie de Galhau aus Fremersdorf wurde von ihnen bedroht. Madame de Galhau verhalf Emigranten vom Schloß aus in die Freiheit auf die rechte Saarseite. Diese Hilfeleistungen so wie die Unterstützung mit Geld bedeuteten große Gefahr für den Helfer. Ein an Emigranten gerichtetes Schreiben, das in unberufene Hände geriet, war die Veranlassung zur Verhaftung Madame de Galhaus und ihres Vaters, Wilhelm Schmidt aus Saarlouis. Am Abend des 6.1.1794 erschienen die Gendarmen im Schloß zu Fremersdorf. Auf das flehentliche Bitten ihrer 6 Kinder, willigten die Gendarmen ein, mit dem Abtransport der Verhafteten nach Busendorf, von wo es dann nach Paris weiter ging, bis zum nächsten Morgen zu warten. Der Bürgermeister von Fremersdorf erschien im Schlosse und bot seine Hilfe an. Madame de Galhau lehnte diese Hilfe ebenso wie das Anerbieten der Gendarmen gegen Bedingungen ab. Madame de Galhau und ihr Vater wurden am 2.März 1794 auf dem Platz der Republik in Paris hingerichtet.